Im Herbst 1928 erschien auf dem deutschen Buchmarkt ein neuer Roman von Heinrich Mann: Eugénie oder Die Bürgerzeit.
Das Pressecho war international groß, nur in Lübeck erschien weder eine Ankündigung noch eine Besprechung.
Holger Pils hat im November 2019 im S. Fischer-Verlag eine Studienausgabe mit Kommentar und Materialien herausgegeben.

Heinrich Mann nannte das Buch sein vielleicht persönlichstes. Es ist ein liebevoller Rückblick auf seine Kindheit und auf die Zeit, in die er hineingeboren wurde: 1871, im Geburtsjahr Heinrichs, begann das neue Kaiserreich und es begann eine Aufbruchstimmung, die sogenannte Gründerzeit. Eine glückliche Zeit  für den jungen Konsul West und seine schöne Frau Gabriele, eine Frau aus der Fremde. Man war leichtsinnig, man war übermütig, in Geschäften, in der Liebe. Und man musste rasch lernen, die Folgen des eigenen Leichtsinns und Übermuts demütig zu ertragen. Ein Theaterstück, eigenes für Gabriele West verfasst von Prof. von Heines, in dem Lübecker ihren Stadtheiligen Emanuel Geibel erkennen konnten, verhilft zu Einsicht und neuem Lebensmut: Lernet ertragen!, heißt die Botschaft.
Gabriele West spielt in dem Stück die französische Kaiserin Eugénie, die 18 Jahre lang als die erste und schönste Frau Frankreichs lebte und wirkte. Nach dem verlorenen Krieg gegen Deutschland 1870 gerieten Kaiser Napolen III. und Kaiserin Eugénie in Gefangenschaft und wurden in Kassel festgehalten. Der Legende nach kam es zu einem Treffen zwischen Kaiser Napoleon III und dem deutschen Kaiser Wilhelm I. Hier setzt das Theaterstück des Dichters Prof. von Heines ein.

Heinrich Manns Roman trägt stark autobiografische, auch fast märchenhafte Züge. Und es ist ein Erziehungsroman.
Heinrich Mann hatte erkannt, dass er selbst ein Bürger war, er fühlte sich in der Weimarer Republik weder bei den rechten, noch bei den linken Parteien, gut aufgehoben. Er glaubte, sich überlebt zu haben. Und er glaubte, dass diejenigen, die sich in der Weimarer Republik Bürger nannten, gar nicht mehr wussten, was es um 1870 bedeutet hatte, Bürger in einer Bürgerzeit zu sein.

Der Förderverein Buddenbrookhaus wird Holger Pils zu Vortrag und Gespräch im Frühjahr 2020  einladen.